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Das Polydrama
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3b DON'T MARRY GUSTAV!
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1901. Alma SCHINDLER und ihre Mutter Anna Moll.

ALMA Mama!!! Mama!!

U.S. ALMA Alma!

ALMA Mama!

U.S. ALMA Armes Kind!...

ALMA (tobt auf ihrem Bett:) Ich bin... ich... fühle mich, als hätte man mir mit einer kalten Faust das Herz aus der Brust genommen. Meine Musik hergeben... weggeben... das, wofür ich bis jetzt gelebt habe...

U.S. ALMA Beruhige dich, beruhige dich.

ALMA Gustav verlangt, dass ich das Komponieren aufgebe!

U.S. ALMA Ich weiß. Er hat es mir gesagt.

ALMA All das aufgeben, wofür ich bis jetzt gelebt habe! Das kann ich nicht!

U.S. ALMA Natürlich nicht. Es ist absurd!

ALMA Ich würde es nicht überleben.

U.S. ALMA Nein, das würdest du nicht.

ALMA Ich werde ablehnen. Ich werde «Nein» sagen!

U.S. ALMA Es ist ein Verbrechen. Er ist verrückt.

ALMA (heult vor Zorn:) Zur Hölle mit ihm!! Der Teufel soll ihn holen! Der Teufel soll alle Männer holen! Ich hasse sie! Ich hasse sie alle!

U.S. ALMA Weine nur, mein Kind, weine nur. Lass deinem Zorn freien Lauf.

ALMA Wer glaubt er denn, dass er ist! Mir zu befehlen, meine Musik aufzugeben! Denkt er, er ist der liebe Gott?!! Er ist doch nur ein lausiger Dirigent!

U.S. ALMA Ein hässlicher Heuschreck! Ein hysterischer, böhmischer Äpfelfresser!

ALMA Wenn er wüßte, was ich von seiner Musik halte!

U.S. ALMA Er ist doch nur ein Dirigent. Ein Kapellmeister. Ein Korrepetitor!
AALMA Weißt du, was er mir angeboten hat? Weißt du, was er mir angeboten hat?!! Seine Musik als die meine anzusehen! Seine Musik als die meine anzusehen!!!! Stell dir das vor!!!

U.S. ALMA Wenn er wenigstens gut aussähe! Und jünger, viel jünger! Schau ihn dir doch an: ein eingebildeter, alter Affe! Ohne Grazie, ohne Charme! Mit einem Pavianarsch! Sicher hat er Hämmerhoiden!

ALMA Hast du seinen Gang gesehen? Wie ein wild gewordener Ziegenbock! Mit einem Zuckfuß. Unansehnlich, schwächlich, hässlich, ein zappelndes Nervenbündel!

U.S. ALMA Er könnte ja dein Vater sein! Alma!! Glaube mir, mein Kind, das ist nicht die Art Mann, die es braucht, eine Frau wie dich glücklich zu machen. Um dir die Wahrheit zu sagen, ich war schockiert, als ich sehen musste, wie du seinem Werben nachgegeben hast. Es war eine Qual für mich! Eine stadtbekannte Schönheit — und ein vertrockneter Hering! Aneinander gekettet fürs Leben! Dafür habe ich dich nicht großgezogen! Ich habe ihn doch beobachtet, wie er sich über dich gebeugt hat, im Gartenhaus: Die Haut schlackerte um seine Backenknochen wie ausgebeulte Hosensäcke! Ughh! Mir ist fast schlecht geworden!

ALMA Ja, nicht? — Ich habe solche Angst, dass er mir krank wird! Ich kann nicht sagen warum... Ich sehe ihn immer in seinem Blute liegen — es ist schrecklich! Ich liebe ihn!!! Ich liebe ihn so!!!

U.S. ALMA Alma! Bist du verrückt?! Was fällt dir denn ein?!

ALMA Ich weiß, er hätte mir das nicht antun dürfen. Einen ewigen Stachel wird das zurücklassen... Aber ich muss ihm ganz leben, damit er glücklich wird! Ich fühle ganz echt und seltsam, dass ich ihn wirklich liebe, Mama! Tief und echt liebe!

U.S. ALMA Das ist doch nicht dein Ernst?!

ALMA Ich muss die andere verbannen, die die bis jetzt geherrscht hat – sie muss hinab – Ich muss alles tun, um Mensch zu werden, alles mit mir geschehen lassen. Werde ich nicht ihn und mich unglücklich machen? Wenn ich lüge – und lüge ich? Dieses tiefe Gefühl der Seligkeit, wenn er mich beglückt ansieht. Auch Lüge? Neín, nein, nein! – Aber er sollte mich lassen wie ich bin! Mir Zeit geben. Ich sehe ja schon die Veränderung in mir, ich spüre, wie er mich verwandelt! So vieles fällt von mir ab, wie eine große, jahrelange Last, er nimmt es von mir! Und er gibt mir sooo viel zurück! Sooo viel! Ich kann es kaum eratmen. Ich glaube, wenn das so weitergeht wird er mich vollständig verändern. Vollständig. – Ist das zu meinem Guten? Mama? Wird er einen besserer Mensch aus mir machen? – Ich weiss es nicht. Ich weiss es wirklich nicht! – Ich sehne mich unnennbar nach ihm. Burckhard hat recht: wir passen zusammen wie Feuer und Wasser. Äußerlich so wie innerlich! Ja! Aber muß ich denn unterliegen? Könnte nicht aus den zwei verschiedenen Anschauungen eine schöne, herrliche werden? Und doch habe ich das Gefühl, ich stehe auf viel niederer Stufe... und er könnte mich hinaufziehen! — Vielleicht hätte ich meine Musik ohnehin aufgeben müssen, wer weiß? Wer weiß?! — Aber so rasch! Das war grausam, das war unmenschlich! Das war auch nicht klug von ihm! Wir werden dafür zahlen müssen. Beide. Aber es ist nicht zu ändern! Es ist nicht zu ändern!

U.S. ALMA Kind, Kind, Kind! Beruhige dich! Ja?! Beruhige dich! Glaube mir, Gustav ist kein Mann für dich! Du bist jung! Du bist schön! Du hast kein Recht, so mit dir umzugehen! Die Welt steht dir offen! Du wirst dich doch nicht wegwerfen auf den Mist, wie eine faule Gurke! Dieser Mann ist zwanzig Jahre älter als du! Zwanzig Jahre!!! Weißt du, was das bedeutet?! Er ist ein Schwächling! Schau dir doch seinen Körper nur an! Ich kenn mich da aus, glaube mir. Er ist fragil, zerbrechlich. Die Leute sagen, er ist todkrank! — Entschuldige die Frage, aber hast du ihn schon nackt gesehen?

ALMA Mama!...

U.S. ALMA Also nicht. Du hast auch noch nicht mit ihm geschlafen?

ALMA Mama! Wie kannst du...

U.S. ALMA Ja, ja. Beruhige dich! Ich weiß, es ist kein sehr erfreuliches Thema, aber glaube mir, irgendwann kommt der Moment, unweigerlich, und dann ist man angeschmiert. Stell dir nur vor, wie dein Leben in kürzester Zeit aussehen wird! Das willst du dir antun? Um dir die Wahrheit zu sagen: Er sieht mir sehr nach einem Versager aus. Meiner Ansicht nach wiegt er nicht mehr als sechzig Kilo.

ALMA Aber Mama! Ich kaufe doch nicht ein Stück Fleisch am Naschmarkt!

U.S. ALMA Also, mein Schatz, mit seinem Rennomée kannst du nicht ins Bett gehen. Das mußt du schon mit seinem Körper tun! Und da sind sechzig Kilo miserabel, glaube mir.

ALMA Dann wird er eben mein Baby sein!

U.S. ALMA Was?!

ALMA Ich werde ihn aufpäppeln wie einen Säugling, füttern, ihn an die Brust nehmen...!

U.S. ALMA Alma! Hast du den Verstand verloren?

ALMA Ich muss mich beherrschen, meine Sehnsicht, meine Leidenschaft zurückhalten. Ich möchte erst, dass er gesund wird – gesund durch mich, durch meine Kraft und Jugend! Die will ich ihm schenken, ihm opfern! Meine Stärke! An der er gesunden soll! Mein geliebter Herr! Mein Meister! Ich werde nicht der Grund für seinen Untergang sein. Ich nicht!!! – Er berührt mich so tief! Sooo tief! (lacht unbeschwert und glücklich:) Es ist so schön, wie er das «R» nicht aussprechen kann... und merkwürdig, dass er so gerne möchte, dass er mich bei meinem zweiten Namen nennen darf, weil er das kraftvolle «R» in der Mitte des Namens so liebt. Marrrrie...! Immer muß ich an ihn denken... Tag und Nacht! Merkwürdig und... Ich habe solche Angst — dass er mir krank wird — und ich kann nicht sagen — Immer wenn ich die Augen schließe, seh ich ihn ordentlich in seinem Blute liegen... Ich werde ihn heiraten.

U.S. ALMA Alma! Bist du von Sinnen? Was redest du denn? Du hast kein Herz!

ALMA Ich hab kein Herz?!? Zuviel! Zuviel!!!

U.S. ALMA Na ja, Du liegst ja vielleicht nicht ganz falsch mit deiner Rechnung: natürlich, er lebt wahrscheinlich nicht mehr sehr lange... Und es ist keine schlechte Aussicht, als Witwe von Gustav Mahler herumzulaufen.

ALMA Mama! Wie kannst du denn solch monströse Gedanken haben?!

U.S. ALMA Aber das sind doch nicht meine Gedanken, mein Kind. Es sind deine. Wie lange kann so etwas denn schon dauern, bei einem Menschen in einem solch erbarmungswürdigen Zustand. Sechs oder sieben Jahre höchstens! Dann bist du neunundzwanzig, immer noch jung, in der Blüte deines Lebens. Du wirst einen exquisiten Platz in der Gesellschaft einnehmen, die Creme de la Creme wird sich um dich scharen. Du bekommst eine sehr gute Pension als Witwe des Hofoperndirektors, und vergiß nicht die Tantiemen aus seiner scheußlichen Musik. Irgandwann wird das schon modern werden. Mit Gottes Segen und ein paar Verrückten. Also, was zögerst du? Geh, lauf, heirate ihn. Aber mach schnell, bevor dir irgendein Sopran aus der Hofoper diesen saftigen jüdischen Knochen vor der Nase wegschnappt, und du stehst dann da mit einem wässrigen Maul und kannst schaun, wo du bleibst.

ALMA Mama, du bist abscheulich. Ich hasse dich.