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Das Polydrama
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Sobol
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5b CLAIR DE LUNE
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ALMA und WALTER GROPIUS im Garten zu Tobelbad, am 4. Juni 1910.

SCHWESTER   Gnädige Frau, darf ich ihnen Herrn Walter Gropius vorstellen, Architekt aus Berlin und Gast in unserem Hause. - Frau Alma Mahler, die Gattin des Direktors der Wiener Hofoper, Gustav Mahler.

GROPIUS   Wenn meine unwürdige Hand diesen heiligen Leib entweiht hat, so laß dir diese Buße gefallen: meine Lippen, zwei errötende Pilgrimme, stehen bereit, den Frevel mit einem zärtlichen Kuß abzubüßen.

ALMA   Ihr tut eurer Hand unrecht, mein lieber Pilgrim; sie hat nichts getan, als was die bescheidenste Andacht zu tun pflegt; Heilige haben Hände, die von den Händen der Wallfahrenden berührt werden, und Hand auf Hand ist eines Pilgrims Kuß.

GROPIUS   Haben Heilige nicht Lippen, und andächtige Pilger auch?

ALMA   Ja, sie haben Lippen, aber zum Beten.

GROPIUS   Oh so erlaube, Heilige, erlaube den Lippen nur, was du den Händen gestattest; sie bitten, daß du den Glauben nicht in Verzweiflung fallen läßt.

ALMA   Heilige rühren sich nicht, wenn sie auch unser Gebet erhören.

GROPIUS   Oh so rühre du dich auch nicht, solang ich mich der Wirkung meines Gebets versichre. (Er küßt sie). Die Sünde meiner Lippen ist durch die deinige getilgt.

ALMA   Also tragen nun meine Lippen die Sünde, die sie von den deinigen weggenommen haben.

GROPIUS   Sünde von meinen Lippen? Oh, angenehme Strenge! Gebt mir meine Sünde nur wieder zurück.

ALMA   Ihr habt küssen gelernt; ich verstehe mich nicht darauf -
Wenn es wirklich Liebe ist, sag mir wieviel.

GROPIUS   Nur Bettler können Liebe zählen.

ALMA   Ich setze eine Liebesgrenze fest.

GROPIUS   Dann mußt du Himmel und Erde auch neu erfinden.


2001
GROPIUS   Wenn ich mit frevelhafter Hand entweiht dies Heilgenbild und dafür büßen muß: Mein Mund, ein keuscher Pilger, steht bereit; er sühnt den rauhen Griff mit sanftem Kuß.

ALMA   Ach, Pilger, Du machst Deine Hand zu schlecht für das, was sie in aller Demut muß: den Heilgen ist die Hand der Pilger recht; denn Hand auf Hand ist frommer Pilgerkuß.

GROPIUS   Und ihre Lippen, brauchen sie die nie?

ALMA   Doch, Pilger, wie die Hände, zum Gebet.

GROPIUS   Dann, Heil`ge, laß die Lippen beten wie die Hände, daß der Glaube nicht vergeht.

ALMA   Wenn Pilger beten, stehen Heilge still.

GROPIUS   Dann steh ganz still, weil ich jetzt beten will. Dein Mund küßt meinen Mund von Sünden rein.

ALMA   Nun hat mein Mund die Sünd`, die er verliert.

GROPIUS   Die Sünden meines Munds? Das darf nicht sein. Gib sie zurück.

GROPIUS   Doch Lippen haben Heilige wohl auch